Pfau-StrategieDepot UI ausgezeichnet

Gerade das vergangene Jahr hat bewiesen, dass der richtigen Vermögensstrukturierung in Zeiten stark schwankender Wertpapiermärkte eine besondere Bedeutung zukommt. Die Mischung unterschiedlicher Anlageklassen ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies zeigt nicht nur die Erfahrung, sondern auch ein exklusives Ranking der Wirtschaftswoche.

In der März-Ausgabe der Wirtschaftswoche wurde das Ranking von 480 Geldmanagern veröffentlicht. Mit Platz 17 in der Kategorie „Ausgewogen“ konnte sich unsere Fonds-Vermögensverwaltung Pfau-StrategieDepot UI ganz weit oben in der Rangliste „Die besten Vermögensverwalter 2021“ platzieren.

Besser als der Markt

Artikel aus der Wirtschaftswoche, Ausgabe 11 vom 12. März 2021

Der Dax feiert neue Rekorde, doch die besten Börsenstrategen haben in den letzten drei Jahren mehr gewonnen. Das zeigt ein exklusives Ranking von 480 Geldmanagern. Hier verraten die Sieger ihre Anlagestrategien: wie sie auf Inflationsangst und Börsenblasen reagieren – und welche Aktien sie jetzt kaufen.

Im März 2020 erlebte Janine Brune ihren ersten Crash. Brune, Ende 20, managt seit drei Jahren Kapital bei der noblen Privatbank Berenberg – und erinnert sich an unruhige und schlaflose Nächte. Brune ging es wie vielen: Zum Stress im Job kam die Angst, dass Familienmitglieder an Covid-19 erkranken könnten. Was ein Crash anrichtet, kannte sie zuvor nur aus Lehrbüchern. „Die Finanzkrise hab ich als Teenager erlebt, damals waren Unternehmenspleiten und Vermögensverluste noch nicht Teil meiner Lebenswelt“, sagt Brune. Später ging es darum in der Theorie, im Hörsaal der Business School im Rheingau. Berenberg allerdings, 1590 gegründet, hat Kriege, Wirtschaftskrisen und Pandemien im genetischen Code – und alle überstanden. Aber daran dachte Brune im Coronamärz 2020 nicht, wenn sie die roten Zahlen auf ihrem Bloomberg-Terminal sah. Über Monate erarbeitete Gewinne schmolzen dahin. „Das ging mir nicht aus dem Kopf“, sagt sie. Hätte sie die Depots doch anders zusammenstellen müssen? Hatten sie nicht schon Monate vorher über Schwarze Schwäne gesprochen, aus dem Nichts auftauchende Risiken, wie 9/11 oder Fukushima. Nicht verkaufen, sondern analysieren, welche Aktien später gefragt sein werden – darauf kam es an. „Portfoliomanager werden danach bewertet, wie sie in solchen Phasen gehandelt haben“, sagt Brune.

2020 war das Jahr der epochalen Dramen und spektakulären Wendungen. Der Dax stürzte von 13700 Punkten Mitte Februar auf 8600 einen Monat später – und beendete das Jahr doch mit 3,1 Prozent plus. Erst boomen Onlinegeschäftsmodelle, dann wechseln die Favoriten: Konjunktursensible Maschinenbauer und die Coronaverlierer aus Luftfahrt und Tourismus gewinnen – und die Banken, die von höheren Zinsen profitieren.

Die Hausse lockt unerfahrene Anleger an. Sie gehen voll ins Risiko – mit Bitcoin, mit Spacs, Börsenmänteln, für die Promis Geld einsammeln und dann erst investieren. Mit der hochgejubelten Tesla und mit Zockeraktien wie US-Spielehändler Gamestop, zu deren Kauf sich Kleinanleger im Internet verabredeten.

 

„Wer auf die ersten Plätze will, muss die Verluste für Anleger im Crash klein halten und die Kursschwankungen ebenso.“

 

Wen das Geschehen am Sinn der Börse zweifeln lässt, der sieht sich bei Vermögensverwaltern gut aufgehoben. Sie suchen nicht die spektakulären Deals, sondern die Balance. Das Vorurteil, dass Börse nur etwas für Zocker ist, entkräften sie dadurch, dass sie an vielen Aktien über Jahre festhalten – mit ähnlich spektakulären Gewinnen wie die Zocker in der Hausse, nur eben über einen viel längeren Zeitraum und nicht mit deren Verlustrisiko. Wer seine Strategie verfolgt, verliert womöglich kurzzeitig, gewinnt aber am Ende – so wie beim Schach, wo der Spieler beim berühmten Damengambit einen Bauern opfert, um sich eine vorteilhaftere Spielposition zu sichern und den Bauern später womöglich zurückzugewinnen.

Die Besten der Branche filtert das exklusive WirtschaftsWoche-Ranking heraus. Hier gewinnt aber nicht einfach der Geldmanager mit der höchsten Rendite. Die Auswertung des Arnsberger Analysehauses MMD berücksichtigt vielmehr auch die Risiken, mit denen die Manager das Anlegergeld lenken. Wer auf die ersten Plätze will, muss die Verluste für Anleger im Crash klein halten und die Kursschwankungen ebenso. Das Rennen läuft in drei Kategorien (siehe Tabelle Seite 18): „Offensiv“, in der die Fondsmanager auch mal nur in Aktien investieren können. „Ausgewogen“, wo Aktien und Anleihen zu gleichen Teilen in die Fonds gepackt werden, und „Defensiv“, mit maximal 40 Prozent Aktien. Den Rest müssen die Geldmanager vor allem mit Anleihen schaffen – kein leichter Job in Niedrigzinszeiten.

 

Was die Geldprofis in allen Kategorien umtreibt, ist die von Notenbanken und Regierungen gepumpte üppige Liquidität. Schon hebt das lange totgesagte Ungeheuer Inflation wieder das Haupt. Preissteigerungen bei Rohstoffen deuten eine rasante wirtschaftliche Erholung an. Wenn der im Lockdown aufgestaute Konsum sich dann Bahn bricht, können die Preise mächtig steigen – und am Ende auch die Zinsen. Nichts aber fürchtet die Börse mehr als steigende Zinsen. Darauf gilt es vorbereitet zu sein. Die Besten der Branche sind es – jedes Team auf seine Art, mit sieben Strategien.

Daten sammeln, Muster erkennen

Egal, ob Privatanleger oder Profi: Nur wer eine Strategie verfolgt, behält auch in der Krise die Nerven. Jan Ehrhardt etwa, der seit fünf Jahren immer unter den Top 20 rangiert, steuert sein Portfolio seit 2011 mithilfe eines selbst aufgebauten Datenschatzes. Bei DJE Kapital in Pullach laufen Millionen Signale ein, das System sortiert die Informationen von Börsen weltweit, von Statistikämtern, Notenbanken und Instituten, und wirft Kurven und Tabellen aus. Sie sind Ideenlieferant und Frühwarnsystem. Erkennt Ehrhardt ein Ungleichgewicht, nutzt er es, um günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Eine Menge Anleihen sollte man derzeit besser in gute Aktien tauschen, so die Meinung in Pullach: Denn die Anleiherenditen steigen – weil alle Welt von einer starken konjunkturellen Erholung ausgeht, die Notenbanken am Ende doch zwingt, die Geldpolitik irgendwie zu straffen. Gibt es dann aber höher verzinste Anleihen, fallen die Kurse der niedriger verzinsten. Bei Technologie oder sauberer Energie sehen die Ehrhardt teils viel heiße Luft. Chemie oder Rückversicherer seien dagegen nicht teuer, werden aber von denen übersehen, „die Investieren mit schnell reich werden verwechseln“, sagt Jans Vater Jens – Deutschlands Börsenaltmeister mit Kultstatus.

Finanzblasen meiden

Claus Walter, Sieger in der Kategorie „Ausgewogen“, passiert dieser Fehler nicht: „In einem Börsenjahr, in dem alle Hurra schreien, sind wir sicher nicht vorne dabei“, sagt der Freiburger. Geht es unter Volldampf an der Börse nach oben, bremst Walter ab. Seit Dezember hortet er zwölf Prozent des Geldes auf einem Konto, als überhastet in eine Blase zu investieren. Dass er es im Coronajahr auf Platz eins schafft, verdankt er auch gutem Timing. Kurz vor dem ersten Lockdown hat er Chemieaktien wie BASF und andere konjunkturabhängige Werte verkauft und stattdessen „Stay-at-home-Aktien“ wie Netflix sowie Techwerte wie Adobe und Microsoft gekauft. Die hatten im Aufschwung nach dem Crash überproportional starke Kursgewinne. Auch Apple hält er seit Jahren, aber stets nur mit einem kleinen Anteil. Nach hohen Kursgewinnen stutzte er die Position stets zurück, damit sich kein Klumpenrisiko aufbaut. „Im Rückblick war das immer falsch“, sagt Walter. Aber Strategie ist Strategie – und seit März verliert die Apple-Aktie.

Während der Dax auf neue Rekorde zusteuert, sorgt sich Walter vor einer kräftigen Korrektur. „Es ist ein schmaler Grat zwischen den Chancen der wirtschaftlichen Erholung und einem Stolpern“, sagt er. Auslöser könnten Probleme mit Impfstoffen sein – oder eine Abkühlung in China, wo sich die Wirtschaft so schnell erholt hat. Als Hauptrisiko sieht auch er die Geldschwemme. Inflation und Zinsanstieg lassen Aktien nicht unberührt.  Speziell die kapitalhungrigen Techwerte reagieren sensibler auf ein höheres Zinsniveau als die gut durchfinanzierten Dickschiffe der Old Economy. Hinzu kommt: Bei höheren Inflationsraten sind die künftigen Gewinne der Unternehmen aus heutiger Sicht real weniger wert. Gerade in den Technologiewerten aber spiegelte sich die Hoffnung auf enorme Gewinne in ferner Zukunft – deshalb verlieren die Techaktien. Ein Trend, der weiterläuft. Mit geparktem Cash, speziellen, auch inflationsgeschützten Anleihen, Rohstoffen und Gold wollen Geldmanager wie Walter der Inflation entkommen. Streuung baut einem Dominoeffekt im Depot vor: Nie kollabiert alles gleichzeitig.

Nach dem Coronajahr zieht es die Freiburger Vermögensmanagement aus der Altstadt auf das luftige Areal des früheren Güterbahnhofs. In der ehemaligen Lagerhalle arbeiten die Maler, der Lack am Treppengeländer glänzt noch feucht.  Neben der Dependance einer Schönheitsklinik will Walter seinen Kunden Sorgenfalten ersparen – mit substanzstarken Aktien wie Fahrradausrüster Shimano oder Fahrstuhlhersteller Kone. 14 Branchen, das gehört zur Strategie, sollen stets im Depot vertreten sein.

Die EU fordert von Vermögensverwaltern, dass sie ihre Fonds in eine von drei Nachhaltigkeitsschubladen einsortieren: tiefgrün, hellgrün, eher grau. Walter nimmt sich die Freiheit, die unterste zu wählen, obwohl er auf Nachhaltigkeit achtet und eine schwarze Liste von Aktien hat. Spirituosenhersteller etwa stehen darauf. Badischen Wein wird er trotzdem ausschenken – wenn er Büroeröffnung feiern darf.

Risiken eingehen

Hendrik Leber investierte als einer der Ersten in Impfstoffsieger Biontech, auch Bitcoin nahm er ganz früh schon mit kleinem Anteil ins Portfolio. Als 2020 noch keiner von Inflation sprach, investierte Leber in ein Zertifikat, dessen Wert mit dem eines Verbraucherpreisindex steigt. Jetzt freut er sich über ein Plus von 190 Prozent. Er vergibt keine Chance aus Angst vor Verlusten. Deshalb hat sein Acatis Datini Valueflex-Depot schon seit fünf Jahren den ersten Platz der Top-Performer abonniert. Wer 125 Prozent seit 2016 gewinnt, gilt schon als der Zockerei verdächtig. Seine Vermögensverwaltung Acatis hat auch fein austarierte Portfolios, aber im Siegerfonds tobt sich Leber aus. Hier dominieren Biotech und andere innovative Geschäftsmodelle.

Die Inflation kommt, legt Leber sich fest: „Reisen, Luftfahrt und Restaurants werden auf Vorkrisenniveau zurückkehren, eine enorme Preissetzungsmacht haben und Profite erhöhen“, sagt er. Noch sei von Inflation wenig zu spüren, weil der Geldumlauf gering sei. Von Unternehmern höre er aber, dass sie jeden Preis verlangen könnten, weil Kunden froh seien, wenn sie Ware bekämen.

Bei Aktien schaut er auch auf das, was andere übersehen – die zweite Börsenreihe. Neu ins Depot gekauft hat er einen US-Hersteller von Verbindungshalbleitern mit dem kuriosen Namen II-VI. „Zwei bis sechs“ heißen die Hauptgruppen im Periodensystem der chemischen Elemente. Ohne II-VI-Produkte funktionieren keine Laser, auch nicht in China. Die Aktie kostet das 22-Fache des erwarteten Gewinns je Aktie – günstig für einen Techwert. Leber hat auch Aktien des US-Unternehmens Schrödinger entdeckt, dessen Datenbanken und Molekül-Simulationen die Entwicklungszeiten der Pharmaindustrie stark verkürzen. Das lässt sich Big Pharma etwas kosten.

Bei seinem Datini-Portfolio verzichtet Leber ausnahmsweise auf Nachhaltigkeitsanalysen. „Ich nutze hier auch schnelle Gelegenheiten und möchte nicht das Okay vom Nachhaltigkeitscheck abwarten.“ Eine Aktie wie die von Charles River Labs hätte den mitunter nicht bestanden. Das US-Unternehmen profitiert bei fast jeder Medikamentenentwicklung: Es züchtet die weißen Mäuse für die Labors der Pharmaindustrie.

Nachhaltig, aber in Maßen

Die Banque de Luxembourg kultiviert, dass sie abseits des Lärms von New York, London oder Frankfurt arbeitet. Wer zu den Kunden gehört, besitzt in der Regel richtig viel Geld. Die Luxemburger konnten sich in drei Kategorien im Ranking unter den Top 3 platzieren, auch in den vergangenen Jahren lagen sie vorn. Als ihr Hauptmerkmal sehen sie Stabilität, und wie ein Butler bleiben die Gelddiener im Hintergrund. „Wir schätzen eine gewisse Unabhängigkeit des Denkens enorm“, sagt Fanny Nosetti, unter anderem zuständig für Nachhaltigkeit (Environmental, Social, Governance, kurz: ESG).

Dabei kritisiert sie die pauschale Glorifizierung nachhaltiger Geldanlage. Diverse Rüstungsanbieter kaufen auch die Luxemburger nicht, und Kohleaktien entfernen sie aus den Fonds. „Aber das ist es auch für den Moment.“ Kunden moralisch eine Richtung vorzugeben stehe ihnen als Vermögensverwalter nicht zu. „Wir finden es schwer, eine rote Linie zu ziehen“, sagt Nosetti – zumal Daten der Unternehmen etwa zum Ressourcenverbrauch längst nicht perfekt sind. 2020 war eine gute Zeit für Nachhaltigkeit. „Aber es ist nicht zu erwarten, dass die Mehrheit der ESG-Fonds besser sein wird als der Markt, wenn der Finanz- oder Energiesektor an der Börse boomt“, sagt Nosetti. Letztlich hänge der Erfolg davon ab, wie Aktien bewertet seien.

Und so lassen sie lieber mal die eine oder andere Chance aus, statt die Stabilität zu gefährden. Der Gewinn liegt im günstigen Einkauf – nicht im schnellen Kursverdoppler. Ihr Siegerfonds stieg früh bei Rohstoffen ein, die derzeit boomen. Im Januar kamen japanische Aktien neu ins Depot: Asahi Group mit der umsatzstärksten Biermarke Japans, Snack-Marktführer Calbee oder der Molkerei- und Pharmahersteller Meiji, im Trend mit probiotischem Joghurt und Gesundheitsnahrung.

Regelmäßig neu gewichten

Beim größten unabhängigen Vermögensverwalter Flossbach von Storch kommt der Ertrag vor allem aus dem aktiven Management von Aktien, Metallen, Cash und Anleihen. Ihr Gewicht wird je nach Makrolage angepasst, seinen Aktien aber bleibt Bert Flossbach über viele Jahre treu – sofern sich bei den Unternehmen nichts verschlechtert. Schon vor zehn Jahren waren Nestlé und Reckitt Benckiser Favoriten in seinem Offensiv-Depot – und sind es noch immer. Geändert aber hat sich die Aufteilung: Statt 15 Prozent Unternehmensanleihen hat er heute nur noch 0,8 Prozent im Depot, statt 25 Prozent Gold nur 10 Prozent Edelmetalle. Waren es damals nur 50 Prozent Aktien, sind es jetzt 77. „Aktien guter Unternehmen sind eine attraktive Absicherung gegen Inflation, anders als Anleihen“, sagt Flossbach. Auch jetzt hat es Flossbach wieder mit mehreren Depots in allen drei Kategorien unter die Besten geschafft. So viel Konstanz ist selten – und gut für Anleger.

Streuen und absichern

Erst mal überrascht es, dass eine Sparkasse im Konzert der Geldmanager mitspielen kann. Allerdings: In Düsseldorf gibt es die meisten Superreichen weit und breit, und viele Institutionen, die Geld anzulegen haben. Strafzinsen auf Girokonten etwa lassen Kämmerer verzweifeln – einige aus Nordrhein-Westfalen bunkerten deshalb viele Millionen bei der dubiosen Greensill-Bank (siehe Seite 58). Die Stadtsparkasse Düsseldorf bietet eine Alternative, wirbt Gregor Höll, „Head of Treasury“, eine Art Schatzmeister. Mit Co-Manager Frank Linen von den Berg lenkt Höll den Rheinischen Kirchenfonds. Sieben Prozent plus in drei Jahren schaffte der auch für private Anleger geöffnete Kirchenfonds – viel lukrativer als Festgeld. Und nervenschonend: Selbst in der schlimmsten Crashwoche verlor er nur fünf Prozent. Den modernen Glasturm nahe der Königsallee durchflutet die Sonne. Traumwetter, doch die Weiberfastnachtssause fällt in diesem Jahr in der Stadtsparkasse aus. So gespenstisch still haben Höll und Linen Düsseldorf zur Karnevalszeit nie erlebt. Ein schlechtes Omen? Auf das Managerduo kommt eine Zeit zu, da fast nur noch Beten hilft. Die Rendite der Anleihen im Portfolio liegt bei minus 0,03 Prozent. In Aktien aber dürfen sie nur maximal 15 Prozent der Fondsgelder stecken. Der gelernte Börsenhändler Linen feilscht um jeden Basispunkt, wenn er den Kauf und Verkauf der Anleihen überprüft. Aber das reicht nicht, wenn die Inflation käme. Schatzmeister Höll bleibt da cool. Von einer Lohn-Preis-Spirale sei man weit entfernt. Die Inflation werde steigen, aber eben nur zeitweise auf bis zu drei Prozent. Er hat sich auch auf stärkere Preisbewegungen vorbereitet, hat über Derivate die Laufzeit der Anleihen im Fonds auf etwa vier Jahre reduziert. Anleihen mit kurzer Laufzeit reagieren auf Inflation weniger heftig als längerlaufende, deren künftige Zinszahlungen real stark an Wert verlieren. „Es gibt keinen Weltuntergang, das System ist nicht so kaputt, wie es wirkt“, meint Höll. Und Zinserhöhungen könnten sich weder Europäer noch Amerikaner erlauben.

Anleihen und Aktien mischen

Viele sichere Staatsanleihen dürften also weiter negative Renditen abwerfen. Oliver Brunner und Ansgar Nolte, die bei Berenberg mehrere im Ranking platzierte Fonds zusammen mit Janine Brune lenken, suchen zeitweise attraktive Renditen bei Exoten. In Kenia, Ägypten oder Uganda gibt es teils noch zweistellige Renditen. In diese Frontier Markets – den Wilden Westen der Anlagewelt – investieren Vermögensverwalter häufig über Fonds, die von spezialisierten Managern gelenkt werden. Ansonsten investieren sie bei Berenberg so, wie es ihre Garderobe beim Fotoshooting signalisiert: dunkler Anzug, Krawatte, Bluse mit Schleife – klassisch eben. Bei den Anleihen greifen sie zu Nachrang- oder Wandelanleihen.  Auch Rohstoffe holen sie sich ins Depot, Gold halten sie unter anderem über ein mit Gold hinterlegtes Wertpapier. Sie favorisieren Aktien, die vom Chinageschäft profitieren – wie die französischen Luxushersteller LVMH und Kering, oder Adidas. Und setzen auf langfristige Trends wie Elektromobilität oder Internet der Dinge mit Halbleiterbauern wie Infineon, ASML oder die Schweizer VAT Group. Dividendenaktien wie die Flossbach-Lieblinge Reckitt und Unilever oder Energietitel halten sie kaum noch. „Nicht wenige patzen beim Thema Nachhaltigkeit“, sagt Brune. Crash-Management mag neu für sie sein, aber bei Nachhaltigkeit macht ihr niemand etwas vor. Schon ihre Bachelorarbeit schrieb sie 2015 über Rendite bei nachhaltigen Geldanlagen. Jetzt hat das Thema wie sie sagt „Momentum“ – einen Auftrieb, und die „Flows“, also die Geldströme, gehen in diese Richtung. Trotzdem, und da halten sie es wie die Luxemburger, reicht es nicht, nur die Welle zu reiten – die Bewertung muss stimmen. „Wir suchen nicht nach Unternehmen, die nur sechs Monate phänomenal laufen“, sagt Brunner. Deshalb kaufen sie keinen gehypten Impfstoffproduzenten, sondern etwa Lonza aus der Schweiz, die mit Nahrungsmittelzusätzen oder Zelltherapie verdienen, aber auch die Impfstoffhersteller beliefern.

Es gilt die klassische Börsenregel: Am Goldrausch verdienen nicht die Goldsucher, sondern alle, die ihnen Pickel, Schaufeln und Vorräte verkaufen.  Wer in die investiert, schläft besser – auch in Crash-Nächten.

 

Text: Heike Schwerdtfeger, Wirtschaftswoche Ausgabe 11 vom 12.3.2021

Ranking - die besten Geldmanager

Analysiert wurden 1338 Fondsdepots von unabhängigen Vermögensverwaltern und Banken, die eine spezielle Lizenz der Finanzaufsicht haben. Sie erlaubt es ihnen, auch einzelne Depots speziell nach Kundenwünschen zu verwalten. Diese Geldmanager arbeiten aber nicht nur für Millionäre, sondern bieten ihre Expertise auch in Fonds an, in die jeder Anleger kleinere Summen einzahlen kann. Der Vergleich der besten Profis über drei Jahre gibt Aufschluss darüber, wer ein gutes Gespür für den Markt in Aufschwung- und Abschwungphasen bewiesen hat.

1 nur zur Information, das Ein-Jahres-Ergebnis 2020 ist kein Ranking-Kriterium; beim Wertzuwachs sind jährliche Kosten der Portfolios bereits abgezogen; nur Portfolios ab 20 Millionen Euro Volumen wurden in den Vergleich aufgenommen;
2 monatliche Schwankungen des Fondskurses um den Mittelwert in Prozent: Je höher die Volatilität (Schwankungsintensität), desto höher ist das Risiko, dass der Anleger Verluste macht, wenn er zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft;
3 gibt an, wie viel Anleger im schlechtesten Fall in den vergangenen drei Jahren verloren hätten, wenn sie zum Höchstkurs gekauft und zum Tiefstkurs verkauft hätten, ausgewertet auf Tagesbasis;
4 Hälfte der Gesamtpunktzahl für die Rendite aus drei Jahren, je ein Viertel der Punkte aus den beiden Risikokennziffern Volatilität und maximaler Verlust. Höchstpunktzahl ist die Anzahl der Portfolios in der jeweiligen Kategorie, theoretisch niedrigster Wert wäre 1;
* diese Anbieter haben mehrere Fonds in den Top 20 einer Kategorie. Veröffentlicht wird pro Anbieter der beste; Quelle: MMD Analyse & Advisory, Mountain-View Data; BaFin;
Stand: 31.12.2020

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