Gründergeist, Spirit und keine Konkurrenz

Die G16 Lounge bietet genügend Platz zum Arbeiten, Wohlfühlen und Netzwerken. Das finden auch Felix Jancker, Eyüp Aramaz, Thomas Juraschek und Henning Duderstadt.

Nicht nur im Silicon Valley und in Berlin gibt es Gründergeist. Auch OWL mischt im Rennen um innovative Ideen vorne mit: Die Start-up-Szene der Region floriert. Zentraler Teil des Netzwerks ist die Bielefelder G16 Lounge als Coworking Space, in der auch der „Bankverein Werther“ regelmäßig unterwegs ist.

Erst sollte es nur ein Sabbatjahr werden, um das Master-Studium an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld zu absolvieren. Nun hat der ehemalige Polizeikommissar Eyüp Aramaz die Uniform komplett gegen einen Laptop eingetauscht. Während seiner beruflichen Auszeit gründete der Bielefelder im vergangenen Sommer die Online-Marketingagentur Webkarma, die sich auf mittelständische Unternehmen spezialisiert hat. Damit nicht genug: Das zweite Unternehmen des 28-Jährigen – „FoodTracks“ – bietet intelligente Lösungen für Bäckereien. Diese sollen per Big-Data-Analyse Bäckereibetrieben bei ihren täglichen Entscheidungen helfen, effektiver zu verkaufen und den Umsatz nachhaltig zu steigern.

Um sich auf sein Start-up „FoodTracks“ zu fokussieren, hat Aramaz seinen Beamtenstatus bei der Polizei Niedersachsen kürzlich gekündigt. Damit ist er kein Einzelfall: „Vielen jungen Leuten ist Sicherheit nicht mehr so wichtig. Für sie zählen vielmehr Selbstverwirklichung und Flexibilität“, sagt Aramaz. Das gilt offenbar auch für den Versicherungsmakler Thomas Juraschek, der sich ein zweites Standbein neben dem klassischen Versicherungsgeschäft aufbaut. Zwar lebt er als selbstständiger Makler momentan noch davon, Versicherungen auf herkömmliche Art zu verkaufen. Doch seine Vertriebsambitionen sind digital. Im vergangenen Jahr hat Juraschek die Vertogo GmbH gegründet. Mit Vertogo – „Versicherung to go“ – hat er eine App entwickelt, mit der Nutzer ihre Versicherungsunterlagen digital überall und jederzeit griffbereit haben – egal von welcher Gesellschaft. „Gerade in der Versicherungsbranche müssen wir junge Kunden mit innovativen Lösungen abholen“, sagt Juraschek.

Zentrale Anlaufstelle für kreative Köpfe wie Aramaz und Juraschek ist die G16 Lounge im Herzen Bielefelds. In diesem Coworking Space können Gründer dauerhaft oder nur für kurze Zeit Büroräume mieten, netzwerken, sich mit anderen Entrepreneuren austauschen. Und auch der Weg zur Bank, besser noch zum „Bankverein Werther“, ist kurz. Insbesondere Felix Jancker, Betreuer Freie Berufe, und Henning Duderstadt, Betreuer Unternehmenskunden, sind im Netzwerk der G16 Lounge unterwegs und haben unter anderem auch die Existenzgründung der Vertogo GmbH begleitet.

Rund 20 Gründer und kleine Teams haben sich in der Bürogemeinschaft unter dem Dach des traditionsreichen DELIUS-Hauses eingemietet. Aramaz war einer der ersten Mieter, heute entscheidet er selbst darüber mit, wer aufgenommen wird. Die Büros und Arbeitsplätze sind begehrt, es ist ein bisschen wie bei der Wohnungssuche: Nur wer in die Gemeinschaft passt, hat eine Chance. „Für uns zählt der Gründergeist“, sagt Juraschek. „Der Spirit muss da sein“, ergänzt Aramaz. Außerdem achte die Gemeinschaft darauf, dass keine Konkurrenz untereinander entsteht.

Die Mieter kümmern sich weitgehend in Selbstverwaltung um die G16 Lounge. Deren Gründer Kofi Adomako, Ralf Janas und Angel Martinez sind zwar nach wie vor mit der Region verbunden, arbeiten aber als Unternehmer – teilweise in wechselnden nationalen und internationalen Metropolen. Die Idee hatten sie im Jahr 2011 bei einer Reise nach San Francisco: Sie waren vom Prinzip des Coworkings fasziniert und haben das Konzept nach Bielefeld geholt.

Im Mittelpunkt dieser modernen Form der Zusammenarbeit steht in der G16 Lounge ein Netzwerk aus Unternehmern. Seit der Gründung vor sechs Jahren erweitern sich die Kontakte stetig.

Dazu tragen auch die regelmäßigen Netzwerktreffen bei. Beim ersten Treffen präsentierte auch Jancker und stellte den „Bankverein Werther“ vor. „Eine Win-Win-Situation sowohl für die Teilnehmer als auch für uns. Dabei sind viele gute Kontakte entstanden, die auf Vertrauen beruhen und wachsen können“, sagt Jancker.

Die Räume in der G16 Lounge stehen nicht nur den Mietern zur Verfügung: Sowohl Meetings von Unternehmen als auch Veranstaltungen finden dort statt. Das Kreativ-Team eines bekannten Haushaltsgeräteherstellers etwa mietet regelmäßig Räume in der Bürogemeinschaft an. „Hier liegen Ideen und Inspirationen einfach in der Luft“, sagt Aramaz und lacht.

In den vergangenen Jahren hat sich Bielefeld zu einer Startup-Hochburg entwickelt. Richtig an Fahrt nahm die Bewegung auf, als im Jahr 2016 die Founders Foundation gegründet wurde, ein Accelerator, der Gründern bei der Entwicklung ihrer Ideen hilft. Auch viele der umliegenden Universitäten und Fachhochschulen haben Start-up-Programme ins Leben gerufen. So etwa die „garage33“ der Universität Paderborn, ein Inkubator-Konzept, das jungen Gründern beim Start helfen soll.

Die Basis der Start-up-Kultur in OWL bildet der starke Mittelstand. „Die Unternehmen der Region sind sehr dankbar für innovative Digital-Ideen“, bestätigt auch Duderstadt. „Sie verstehen und akzeptieren die Start-up-Kultur und profitieren mittlerweile davon.“ So ergänzen sich junge Gründer und etablierte Traditionsunternehmen – trotz aller Vorbehalte.

Als Eyüp Aramaz seine Software-Lösung erstmals bei Bäckern in der Region vorstellte, stieß er zunächst auf Skepsis. „Als sie dann gemerkt haben, dass sie mithilfe von intelligenter Datenanalyse den Umsatz messbar steigern konnten, waren sie begeistert“, berichtet der Gründer. Das Bielefelder Bäckereiunternehmen Lechtermann-Pollmeier mit über 30 Filialen in der Region konnte er gemeinsam mit seinem Mitgründer Dr. Tobias Pfaff überzeugen und als Kunden gewinnen. Weitere Bäckereien sind an „Food-Tracks“ interessiert. Heute wissen viele Unternehmen in Bielefeld und Umgebung: Wenn sie mit Start-ups zusammenarbeiten möchten, werden sie in der G16 Lounge fündig.