Hilfe für pflegende Angehörige

Expertinnen beraten bei Informationsveranstaltung

(v.l.) Informierten zum Thema „Pflegende Angehörige“: Günter Butenuth, Martina Flaig, Pflegeberatung der Stadt Werther, Sybille Florschütz, Geschäftsführerin der Lebensbaum Soziale Hilfen gGmbH, und Tim Eweler.

Werther. Pflegende Angehörige leisten jeden Tag bemerkenswerte Arbeit, denn die Betreuung eines Pflegebedürftigen erfordert viel Zeit und Kraft. Wenn die eigenen Eltern oder Kinder zum Pflegefall werden, entsteht für die Angehörigen häufig eine emotional und finanziell belastende Situation. Besonders dann, wenn der Pflegefall unvermittelt eintritt oder die Betroffenen beruflich stark eingespannt sind. Insbesondere jüngere Generationen fühlen sich häufig nicht ausreichend über die Beratungsangebote und die ihnen zustehenden Leistungen und Hilfen informiert.

Daher hatte der „Bankverein Werther“ zu einer Informationsveranstaltung am Dienstag, 5. April, in das Hotel Restaurant Bergfrieden nach Werther eingeladen. Sybille Florschütz, Geschäftsführerin der Lebensbaum Soziale Hilfen gGmbH, und Martina Flaig von der Pflegeberatung der Stadt Werther informierten die rund 60 Gäste an diesem Abend zu allgemeinen Pflegethemen und finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten sowie zu Entlastungs- und Beratungsangeboten.

Im Fokus des Vortrags von Martina Flaig stand die Frage, wie sich die Beteiligten auf die neue Lebenssituation besser einstellen können. So gab die Pflegeberaterin Auskunft darüber, welche finanziellen und praktischen Hilfsmöglichkeiten es gibt, wie diese die häusliche Pflege spürbar erleichtern und wo die Mittel beantragt werden können. Da viele Pflegebedürftige so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben möchten, ging Flaig zudem auf alternative Pflegemodelle wie die Kurzzeit-, Verhinderungs- oder Tagespflege ein, die insbesondere auch Angehörigen helfen sollen, ihren eigenen Bedürfnissen und Aufgaben nachkommen zu können.

Einem sehr emotionalen Thema näherte sich Sybille Florschütz in ihrem Vortrag zum Umgang mit seelischen und emotionalen Belastungssituationen bei der Pflege von schwer pflegebedürftigen oder demenzkranken Senioren. „Häusliche Pflege führt häufig zur körperlichen Überlastung und zur seelischen Überforderung der Angehörigen. Der grundlegende Rollenwechsel und das daraus resultierende Abhängigkeitsverhältnis können die Beziehungen zwischen den Beteiligten belasten. Alte Konflikte brechen auf. Auch das Thema Gewalt kommt in Pflegebeziehungen häufig vor. Daher ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen ihre Grenzen akzeptieren und offen mit ihren Problemen und Gefühlen umgehen“, rät Florschütz. In besonders schwierigen Fällen empfiehlt die Expertin, sich den professionellen Rat von Beratungsstellen oder Pflegediensten einzuholen. Grundsätzlich gälte, „nur wer gut für sich selbst sorgt, hat langfristig die Kraft, auch für andere gut zu sorgen“, erklärt die Geschäftsführerin der Lebensbaum Soziale Hilfen gGmbH.

Der Informationsabend fand im Rahmen einer Veranstaltungsreihe statt. „Mit diesem Thema wollen wir die Belange der pflegenden Angehörigen ins Blickfeld rücken und ihnen wichtige Unterstützung geben, sozusagen ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ ganz im Sinne des genossenschaftlichen Gedankens“, so Tim Eweler, Niederlassungsleiter, „denn je früher man sich mit dem Thema Pflege – ob für sich selbst oder eben für Angehörige – beschäftigt, desto besser ist man darauf vorbereitet.“

 

 

14. April 2016